Das Rückbau-Management ist der allen anderern Fachbereichen des Rückbaus übergeordnete Management-Bereich im Rückbau. Es übernimmt in der Regel die gesamte Vorplanung des Rückbaus sowie die Planung und Leitung der Fach-Disziplin Abbruch-Management. Die weiteren notwendigen Fach-Diziplinen aus dem Bereich Rückbau werden meist separat mit anderen Fachbüros besetzt.
Der Grund für diese Aufteilung liegt in der Regel darin, dass nur wenige Fachbüros für Rückbau sämtliche Disziplinen abdecken und daher auf externe Spezialdienstleister angewiesen sind.
Im Rahmen seiner vorplanerischen Tätigkeit ermittelt das Rückbau- (und Abbruch-) Management den Umfang und den Bedarf weiterer Fachdisziplinen, die für einen geordneten Rückbau von Gebäuden, Anlagen und Infrastrukturen erforderlich sind. In den anschließenden Planungs- und Ausführungsphasen übernimmt es zudem deren Organisation und Koordination.
Das Rückbau- (und Abbruch-) Management organisiert und koordiniert damit unter Anderem:
- der Grundlagen-Ermittlung zur Rückbau-Situation,
- das Gefahr- und Schadstoff-Management,
- das Abbruch-Management,
- das Altlasten-Management,
- das Entsorgungs-Management sowie
- die Planung und Koordination der meist komplexen Sicherheits-Anforderungen.
Das Rückbau- (und Abbruch-) Management beschafft damit die technischen, organisatorischen und logistischen Grundlagen für alle Anderen, zum Teil später oder nur vorüber gehend beteiligten Fach–Disziplinen.
Innerhalb dieser Gesamtleitung durch das Rückbau- (und Abbruch-) Management kann bei großen, komplexen oder weit entfernten Projekten das Abbruch-Management als größter Player bei Bedarf ebenfalls in Teilen oder komplett fremd vergeben werden. Meist geschieht dies durch die Übertragung der aufwendigen Vorort-Fach-Bauleitung an einen geeigneten, meist regionalen Fach-Bauleiter, der zur Einarbeitung bereits in den Endphasen der Vorplanung beteiligt wird.
Dies kann zu einer teilweisen Umverteilung von Aufgaben des Rückbau-Management zum Abbruch-Management führen, welche in Art und Umfang von vielen Details abhängig ist, die hier in Summe nicht beschrieben werden können. Um mit den nachfolgenden Erläuterungen nicht zu verwirren, möchte wir im weiteren von einem selbstständigen, auch erweiterten Abbruch-Managment ausgehen.
Die erweiterte Rolle und Bedeutung des Abbruch-Managements im Gesamtprozess
Der Abbruch eines Bauwerks oder einer baulichen Anlage ist in der Regel der größte operative Schritt im gesamten Rückbau-Prozess – aber zugleich nur die Fortsetzung oft zahlreicher vorgelagerter Planungen und sonstiger baulicher Vorleistungen, wie z.B.:
- innerbetriebliche Umzüge,
- Gebäude-Räumungen,
- Entkernungen,
- bauliche und infrastrukturelle Trennungs- und Umverlegungsmaßnahmen,
- Gefahrstoff- und Schadstoffsanierungen
- vorgezogener Altlastensanierungen im Baugelände
- etc..
Der damit verbundene, meist späte Eintritt in das Rückbau-Projekt wäre so mit vielen Informations-Nachteilen (wer hat schon was, wann und wie und warum gemacht) verbunden, weshalb es sich in der Praxis als vorteilhaft herausgestellt hat, das Abbruch-Management schon früher einzubinden.
Das Abbruch-Management übernimmt daher meist die Einstiegs- und Schlüsselrolle der ergänzenden Fach-Diziplinen, indem es als deren größter Player, das Rückbau-Management in abzustimmenden Bereichen verstärkt.
Rückbau- (und Abbruch-) Management untersuchen, analysieren und bewerten gemeinsam oder getrennt, die baulich-technischen, organisatorischen und sicherheitsrelevanten Rahmenbedingungen der Gesamt-Rückbau-Maßnahme und überführen ihre Ergebnisse in ein umsetzungsfähiges Gesamt-Rückbau-Konzept und schaffen damit die ersten planerischen Grundlagen für die künftige Zusammenarbeit mit anderen notwendigen Fachbereichen.
Nur wenn die Rückbau-Planung präzise ausgearbeitet ist, können die notwendigen Maßnahmen sinnvoll aufeinander abgestimmt und terminlich integriert werden. Die Leistungen des Rückbau- (und Abbruch-) Managements stellen somit den Anfang des Rückbaus dar, und bilden die verbindende Schnittstelle zwischen Planung, Rückbau-Ausführung und den nachfolgenden Gewerken.
Leistungsinhalte und Schwerpunkte
Der gemeinsame inhaltliche Fokus des Rückbau- (und Abbruch-) Management liegt demnach zunächst auf der Rückbau-Planung.
Zum Bereich der Rückbau-Planung gehören insbesondere:
- Erfassung und Analyse der Bestandsstruktur: Untersuchung des baulichen Aufbaus, der statischen Systeme und der Verbindungselemente innerhalb von Gebäudekomplexen.
- Ermittlung von Infrastruktur- und Anschlussbedingungen: Aufnahme und Bewertung bestehender Ver- und Entsorgungsleitungen, technischer Schnittstellen und Erschließungswege.
- Bewertung der Nachbar-Bebauung und der Umgebungs-Bedingungen: Erfassung potenzieller Risiken für angrenzende Gebäude oder Gebäude-Bereiche, Nutzungen oder öffentliche Verkehrsflächen, insbesondere bei beengten Verhältnissen oder Teilrückbauten.
- Entwicklung von Rückbau- und Sicherungskonzepten: Festlegung der technischen Vorgehensweise, der Rückbau-Reihenfolge, der Schutzmaßnahmen und temporären Stabilisierungen.
- Planung der Baustellenlogistik: Definition von Zufahrten, Lager- und Arbeitsflächen, Verkehrsführung, Kranstandorten sowie Materialflüssen.
- Festlegung von Schutz- und Sicherheits-Maßnahmen: Berücksichtigung von Staub-, Lärm- und Erschütterungseinflüssen sowie Schutzmaßnahmen für Beschäftigte und Dritte.
- Ausschreibungs- und Vergabeunterstützung: Erstellung technischer Leistungsbeschreibungen, Mengenermittlungen und Mitwirkung bei der Vergabe von Rückbauleistungen.
Die Rückbau-Planung folgt dabei den klassischen Phasen eines technischen Ingenieurprojekts – von der Grundlagenermittlung über die Vorplanung und Entwurfsplanung bis zur Ausführungs-Planung und Vorbereitung der Vergabe. Ziel ist eine präzise, praxisorientierte und rechtssichere Rückbau-Planung, die alle wesentlichen Einflussfaktoren berücksichtigt.
Spätere Aufteilung der Tätigkeiten
Während der Abbruchphase übernimmt das Abbruch-Management die fachtechnische Fach-Bauleitung des Abbruchs. Das Rückbau-Management übernimmt verstärkt die Koordination der noch begleitenden Fach-Disziplinen (Sicherheitskoordination, Altlasten/Kampfmittel, Zusatzeinsätze Gefahrstoffe, Entsorgungs-Management, etc.) sowie die Abstimmungen mit den sonstigen Beteiligten (Bauherr, Nutzer, etc.).
Zielsetzung und Nutzen
Das Rückbau- (und Abbruch-) Management stellt sicher, dass Rückbau-Maßnahmen technisch durchdacht, sicher, wirtschaftlich und umweltgerecht geplant und ausgeführt werden können. Durch die strukturierte Herangehensweise werden Risiken frühzeitig erkannt, Abläufe koordiniert und Schnittstellen zu anderen Fachbereichen klar definiert.
Ein früher Einsatzbeginn des Rückbau- (und Abbruch-) Management stellt damit nicht nur den planerischen Beginn des Rückbaus dar. Es schafft auch ein wichtiges zentrales Bindeglied zwischen den ersten Bestands-Analysen zu Anfang des Projektes bis hin zur Übergabe der geräumten Baustelle an die Folge-Gewerke.
Es ist damit, zumindest für komplexe Rückbau-Projekte, eine unverzichtbare Voraussetzung für deren erfolgreiche Umsetzung.